Campingplätze rücken in den Fokus von Betreiberketten und Investoren
11. Oktober 2026

Campingketten kaufen weitere Standorte hinzu, neue Kapitalgeber entdecken den deutschen Markt. Doch gestiegene Finanzierungskosten verändern die Bedingungen beim Campingplatzkauf. Nach Einschätzung des spezialisierten Vermittlers 3flags-port gewinnen realistische Kaufpreise und fundierte Bewertungen deshalb zunehmend an Bedeutung.
Der Markt für Campingimmobilien verändert sich. Neben klassischen Einzelbetreibern und Familienunternehmen interessieren sich zunehmend expandierende Campingketten, professionelle Betreibergruppen und neue Investoren für bestehende Campingplätze. Nach Beobachtung von 3flags-port verfolgen einige Marktteilnehmer gezielte Zukaufstrategien, während andere den Campingsektor als neues Investitionsfeld entdecken. Teilweise kommt dabei auch Kapital von Beteiligungsgesellschaften zum Einsatz.
Wenn professionelle Investoren auf Familienbetriebe treffen
Auf dem Campingimmobilienmarkt treffen zunehmend zwei unterschiedliche Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen professionelle Käufer mit erfahrenen Verhandlungsteams, klaren Investitionsstrategien und detaillierten Wirtschaftlichkeitsanalysen. Auf der anderen Seite stehen häufig familiengeführte Campingbetriebe, die über Jahrzehnte gewachsen sind und für deren Eigentümer der Verkauf weit mehr bedeutet als eine wirtschaftliche Transaktion.
Gerade in dieser Konstellation entscheidet nicht allein der Kaufpreis über den Erfolg. Unterschiedliche Erwartungen, Verhandlungsstile und Vorstellungen von der Zukunft des Betriebs können selbst aussichtsreiche Gespräche zum Stillstand bringen. Umso wichtiger ist die Rolle eines spezialisierten Vermittlers, der den Verkaufsprozess nicht nur anbahnt, sondern bis zum Abschluss aktiv begleitet.
„Wer seinen Campingplatz verkaufen möchte, sollte sich eine entscheidende Frage stellen: Bekomme ich lediglich die Telefonnummer eines potenziellen Käufers oder jemanden an meine Seite, der den gesamten Verkaufsprozess begleitet?“, sagt Arne Franz, Geschäftsführer von 3flags-port. „Interessenten zusammenzubringen ist das eine. Unterschiedliche Interessen auszugleichen, schwierige Verhandlungen zu moderieren und beide Seiten wieder an einen Tisch zu bringen, wenn Gespräche festgefahren sind, ist etwas völlig anderes. Genau darin liegt für uns der Wert einer spezialisierten Vermittlung.“
Gerade beim Verkauf familiengeführter Campingplätze ist diese Begleitung von besonderer Bedeutung. Denn neben wirtschaftlichen Fragen geht es häufig um das Lebenswerk der Eigentümer, die Zukunft der Mitarbeiter und die langfristige Entwicklung des Standorts.
Finanzierung wird zum entscheidenden Faktor
Neben den unterschiedlichen Interessen von Käufern und Verkäufern stellt vor allem die Finanzierung eine Herausforderung dar. Denn selbst wenn sich beide Seiten grundsätzlich einig sind, muss der vereinbarte Kaufpreis auch wirtschaftlich tragfähig sein.
Wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert haben, zeigen die Zahlen der Europäischen Zentralbank. Während die durchschnittlichen Finanzierungskosten für neue Unternehmenskredite im Euroraum 2021 noch bei 1,46 Prozent lagen, betrugen sie 2025 bereits 3,70 Prozent. Im August 2026 lag der Wert bei 3,77 Prozent.
Die gestiegenen Finanzierungskosten wirken sich auf die Kalkulation potenzieller Käufer aus. Neben dem verfügbaren Eigenkapital bestimmen insbesondere die laufenden Erträge, notwendige Investitionen und die Kreditkonditionen, welcher Kaufpreis wirtschaftlich darstellbar ist. Dabei können sich die finanziellen Spielräume einzelner Käufer erheblich unterscheiden.
„Ein hoher Angebotspreis allein sagt noch wenig darüber aus, ob ein Campingplatz zu diesem Preis tatsächlich verkauft werden kann“, erklärt Arne Franz. „Entscheidend ist, was ein Käufer unter Berücksichtigung der Ertragskraft, des Investitionsbedarfs und seiner Finanzierungsmöglichkeiten wirtschaftlich leisten kann. Deshalb müssen wir bereits früh im Verkaufsprozess prüfen, welche Preisvorstellungen realistisch sind.“
Neue Chancen für die Unternehmensnachfolge
Gerade bei anstehenden Unternehmensnachfolgen können die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten potenzieller Käufer eine wichtige Rolle spielen. Während ein Einzelunternehmer den Erwerb häufig überwiegend über Bankkredite finanziert, können größere Betreibergruppen unter Umständen auf zusätzliche Eigenkapitalquellen oder bestehende Finanzierungsstrukturen zurückgreifen.
Das erweitert den Kreis möglicher Nachfolger, macht die Auswahl des passenden Käufers aber auch anspruchsvoller. Nicht jedes Finanzierungskonzept passt zu jedem Betrieb, und nicht jedes Kaufangebot bietet die gleiche Sicherheit bei der Umsetzung.
„Für einen Verkäufer zählt am Ende nicht allein, welcher Interessent den höchsten Preis bietet, sondern wer den Kauf auch tatsächlich umsetzen kann“, betont Franz. „Eine sorgfältige Prüfung der wirtschaftlichen Voraussetzungen und ein klar strukturierter Verkaufsprozess helfen, spätere Enttäuschungen zu vermeiden.“
Damit rückt neben der Höhe des Kaufpreises auch die Verlässlichkeit eines Angebots stärker in den Mittelpunkt. Gerade bei langfristig vorbereiteten Nachfolgelösungen kann sie entscheidend dafür sein, ob ein Verkauf erfolgreich abgeschlossen wird.
